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Der Bismarckturm

Der Bismarckturm in Möhnesee-Delecke steht auf der höchsten Erhebung der Haar (285,80 Meter ü. NN) zwischen der Möhnetalsperre und der Hansestadt Soest. Hier kreuzen sich mit dem alten Haarweg in Ost-West-Richtung (B 516) und dem alten Postweg von Arnsberg über Soest nach Münster (B 229) zwei historische Straßen.

Der Turmbau wurde von Anhängern Bismarcks aus der Stadt und dem Kreis Soest initiiert. Vorsitzender des Turmkomitees war der Soester Buchdrucker und Verleger Wilhelm Jahn („Soester Anzeiger“). Architekt war der Soester Stadtbaurat Ewald Sudhoff.

Sudhoffs Entwurf sah einen 22,5 Meter hohen Turm vor, der von einer Feuerschale gekrönt werden sollte. Nachdem in der Bevölkerung genügend Spenden gesammelt wurden, konnte mit den Ausschachtungsarbeiten für das Fundament begonnen werden. Am 1. April 1914 erfolgte die Grundsteinlegung im Beisein von 300 Schaulustigen. Die Zeit drängte, sollte der Turm doch bereits am 1. April 1915, pünktlich zum 100. Geburtstag Bismarcks, eröffnet werden.

Bis August 1914 war das Bauwerk bereits auf eine Höhe von acht Metern gewachsen, als die Arbeiten kurzfristig wegen des einsetzenden Ersten Weltkriegs gestoppt werden mussten. Nach Kriegsende entschloss man sich den Bismarckturm zusätzlich mit einer Gedächtnishalle für alle Gefallenen des Ersten Weltkriegs auszustatten.

Letzter in Deutschland eingeweihte Bismarckturm

Vom Sommer 1920 an wurde wieder am Turmstumpf gearbeitet. Zwischenzeitlich sind die Kosten jedoch explodiert und konnten auch mit neuen Spendengeldern nicht aufgefangen werden. Die Hyperinflation brachte die Arbeiten im Herbst 1923 wieder zum Erliegen. Als 1924 auch noch Wilhelm Jahn, der eigentliche Treiber des Turmbaus, starb, schien das Projekt gescheitert.

Erst im August 1933 wurden die Arbeiten am Bismarckturm, dessen Fenster und Türen zwischenzeitlich zugemauert wurden, wieder aufgenommen. Statt der ursprünglich geplanten 22,5 Meter hatte das Bauwerk nach Fertigstellung eine Gesamthöhe von 18 Metern. Auf die Feuerschale wurde verzichtet.

Am 1. April 1934, und damit genau 20 Jahre nach Grundsteinlegung, wurde der aus Sandstein gebaute Turm als Gedenkstätte für Bismarck und die im Krieg Umgekommenen sowie als Aussichtsturm eröffnet. Gleichzeitig brachte man an der Westseite zu Ehren der nationalsozialistischen Machthaber ein Hakenkreuzrelief an (1945 wieder entfernt). Es war der letzte in Deutschland eingeweihte Bismarckturm.

Besucher konnten den Ausblick aber nur kurze Zeit genießen, bereits 1936 beanspruchte die Kriegsmarine den Turm für ihre Zwecke. Bis 1939 war hier die „Marinefunkstation Mitte“ der Stadt Soest untergebracht. Von 1939 bis 1945 diente er der deutschen Luftwaffe als Beobachtungsposten. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er bis 1958 geschlossen. Als Relaisstation für den Funkverkehr wurde er ab dem Jahr 1958 verwendet. Seit den 1970er-Jahren nutzten auch die Feuerwehr und die Polizei den Turm.

Aussicht bis zum Teutoburger Wald

Nachdem der Turmkopf mit der Aussichtsplattform 1987 umgebaut wurde, ist der Bismarckturm dank der Initiative des Heimatvereins Möhnesee wieder regelmäßig für die Öffentlichkeit zugänglich. Eine massive Steintreppe mit 75 Stufen führt zur Plattform in ca. 15 Metern Höhe. Der Blick reicht bei gutem Wetter bis zum Fernsehturm in Dortmund und dem Hermannsdenkmal im Teutoburger Wald. Natürlich bekommt man von hier oben auch einen guten Überblick über die Größe des Arnsberger Waldes und des Möhnesees.

Im Inneren des Turms, der eine Grundfläche von sieben mal sieben Metern aufweist, erhält man Informationen zu seiner Geschichte und zu der ihn umgebenden Landschaft. Jährlich besuchen den Bismarckturm mehr als 1.500 Menschen. Er ist Eigentum des Kreises Soest und wird vom Heimatverein Möhnesee gepflegt.

In der gesamten Bundesrepublik stehen heute noch knapp 150 Bismarcktürme mit einer Höhe von bis zu 45 Metern. Obwohl Deutschland mit ihnen übersäht ist (in Nord- und Süddeutschland stehen nur wenige, in der Mitte des Landes sehr viele), sind die Türme kaum im Bewusstsein der Nation. Die Idee geht auf bismarckvernarrte Studenten zurück, die einen Architekturwettbewerb ausschrieben und die Gemeinden und Städte zum Bau eines Ausflugturms aufforderten.

Besichtigung des Bismarckturms

Der Bismarckturm in Möhnesee ist – gute Sichtverhältnisse vorausgesetzt – in den Monaten Mai bis September an Sonn- und Feiertagen in der Zeit von 10:00 bis 12:30 Uhr geöffnet. Es wird ein minimales Eintrittsgeld erhoben.